BERG UND GEIST.

"Prix Walo 2005" an BERG UND GEIST.

Frank Hubrath (Produzent), Beat Kuert und Michael Lang (Realisatoren) beim Festakt in Zürich, 2005.
Frank Hubrath (Produzent), Beat Kuert und Michael Lang (Realisatoren) beim Festakt in Zürich, 2005.

Aus der Rede von Frank Hubrath (Produzent und Leiter 3sat Schweiz): "Wir danken Ihnen  für diesen Preis. Jetzt haben wir den Salat!" Und: "...wir haben mit allen bisherigen Ausstrahlungen etwa so viele Zuschauer generiert, wie die Mitkonkurrenten vom Schweizer Fernsehen  an einem Abend."

 


Pressestimme..

SCHNEIDERS TELEVISIONEN 27.3.2009 im Tages-Anzeiger", Zürich.

Der Berg ruft

Lange wollte ich schon einmal ein fernsehkolumnistisches Beziehungsdelikt begehen und, aus nicht gegebenem aktuellem Anlass, die Schweizer 3sat-Reihe «Berg und Geist» loben (ich kenne die Macher, nun ja, einen, den aber gut, und ich sehe nicht ein, warum Freunde hier nicht gelobt werden sollten, einfach mal so). Die Sendung geht jetzt auf die 60. Folge zu und weckt womöglich durch den Titel ein paar esoterische Befürchtungen. Ich möchte sie jedoch durchaus geerdet nennen. Die meinen es nämlich wörtlich, der Geist, falls vorhanden, muss zu Berge, und droben handelt es sich dann um das einfache Konzept des Fernsehporträts, das sich allerdings - dank der entschlossenen Zurückhaltung der Porträtierenden - der Routine des Einfachen entzieht.

Objekte des Interesses sind berühmte, manchmal auch nur bekannte, jedenfalls im Sendegebiet von 3sat gesellschaftlich auffällig gewordene Menschen, denen ein hohes Mass an Recht und Einfluss auf das eigene Bild zugestanden wird, und zwar auf das echte und das unechte. Drehort ist ein Schweizer Berg persönlicher Wahl, weniger zum Zweck einer alpinen Naturschwärmerei, sondern eher als dramaturgischer Aussichtspunkt und Symbol eines besseren Überblicks (ich glaube, nur ein Gast, Roger Willemsen, hat sich einem Aufstieg verweigert; er hält sich ohnehin für einen Geistesberg und hat auf dem Zürcher Flughafen eben sich selber bestiegen).

Dort in der Höhe kommt es nun zu Gesprächen, aus denen am Ende eine Art monologisches Protokoll wird - visuell unterstützt und gewissermassen hinterlistig befragt durch assoziative Bilder. Der Porträtierte hat das Wort, das kluge oder auch nicht so kluge, und steht nicht in sicht- und hörbarer Konkurrenz zu einem kommentierenden Reporter und seinen Fragen, (den klugen oder auch nicht so klugen; ich gehe ja von klugen aus).

Natürlich gehört eine Zuneigung zur jeweiligen Hauptfigur zum Wesen der Sendung. Man hat «Berg und Geist» deshalb auch schon eine Plattform für die ungefilterte Eitelkeit genannt, und das war nicht nett gemeint. Aber ich denke, es geht hier gerade um den Unterhaltungs- und den Erkenntniswert einer diskret gesteuerten Selbstdarstellung. Und ich finde, es ist eine gleichzeitig originelle und respektvolle journalistische Methode, den Darstellern ihrer selbst einen grossen Teil souveräne Verantwortung für die eigenen Gescheitheiten und Dummheiten zu übertragen. Gescheitheit, nebenbei, kommt häufiger vor, als Sie vielleicht denken; Prominente werden wirklich oft sträflich unterschätzt.

Es ist in fünfjähriger Kontinuität ein bemerkenswertes Archiv der gegenwärtigen Prominenz und ihres geistigen Zustands zusammengekommen. Schon das ist ein Verdienst. Aber ich mag ja «Berg und Geist» nicht nur aus archivarischen Gründen. Sondern vor allem weil sich die Macher für jede halbstündige Folge wahrscheinlich mehr Gedanken über das Echte, das Unechte und ihre Darstellung gemacht haben als manch aufgeblasenere Porträt-Dokumentation. Sie überlassen nötigenfalls das Sich-Aufblasen den Porträtierten und die kritische Polemik dem Zitat. Das ist doch eine schöne, leise und lobenswerte Subversivität. (...)

Christoph Schneider